Werkstudenten: studieren und arbeiten

© Alexander Raths - fotolia.com

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Neben dem Studium zu arbeiten und sich ein paar Euro dazu zu verdienen, das gehört für viele Studierende zum Studium dazu. Schließlich müssen Miete, Fahrtkosten zwischen Studienort und Zuhause, Freizeit- und Lebenshaltungskosten irgendwie bezahlt werden und kaum jemand kann allein von der finanziellen Unterstützung der Eltern oder den Leistungen des BAföG leben.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich im Studium nebenbei etwas Geld dazu zu verdienen. Wichtig ist, dass sich der Job gut mit den universitären Pflichten in Einklang bringen lässt, schließlich sind Ferienjobs und Tätigkeiten als Aushilfskräfte, so verantwortungsvoll die Aufgaben auch sein mögen, nur Durchgangsstationen auf dem Weg zum Traumjob. Beliebt sind saisonabhängige Aushilfsjobs oder Tätigkeiten als studentische Hilfskraft an einem Lehrstuhl direkt an der Hochschule. Allerdings sind diese Jobs häufig schlechter bezahlt als klassische Werkstudententätigkeiten in einem Unternehmen.

Definition Werkstudent und die damit verbundenen Rechte und Pflichten

Mit dem Begriff „Werkstudent“ werden an einer Fachhochschule oder Universität immatrikulierte Studierende bezeichnet, die studienbegleitend in einem Unternehmen arbeiten. Der Teilzeitjob ist in der Regel auf Kontinuität und Langfristigkeit ausgelegt. Nur wenn das Studium im Vordergrund steht und die wöchentliche Arbeitszeit somit 20 Stunden nicht überschreitet, gilt das Werkstudentenprivileg. Das bedeutet, dass Werkstudenten bezogen auf ihre abhängige Beschäftigung (nicht in Bezug auf ihren Status als Studenten) von der Pflicht zur gesetzlichen Krankenversicherung und der Arbeitslosenversicherung befreit sind, auch wenn sie mehr als 450 Euro verdienen. Natürlich ist es auch möglich, mehrere Werkstudententätigkeiten parallel auszuüben. Die Höhe des Verdienstes ist dabei nicht maßgeblich. Jedoch darf die Höchstgrenze für die Wochenarbeitszeit nicht überschritten werden. Neben der wöchentlichen Höchstgrenze von 20 Stunden gilt bezogen auf ein Jahr die 26-Wochen-Regel. Dies bedeutet, dass für die Wahrung des Werkstudentenstatus maximal 26 Wochen pro Jahr mehr als 20 Stunden pro Woche gearbeitet werden darf. Dies bezieht dann etwaige Vollzeittätigkeiten während der vorlesungsfreien Zeit mit ein, nicht jedoch vorgeschriebene Pflichtpraktika.

Anders sieht es in der Rentenversicherung aus. Bereits 450-Euro-Jobs sind seit 1. Januar 2013 rentenversicherungspflichtig. Auch für Werkstudententätigkeiten mit einem Verdienst von mehr als 450 Euro pro Monat müssen daher Beiträge für die Rentenversicherung abgeführt werden. Liegt der Bruttoverdienst in der Gleitzone zwischen 450,01 Euro und 850 Euro, zahlen Arbeitnehmer einen geringeren Betrag zur Rentenversicherung. Liegt der Verdienst darüber, zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils 9,45 Prozent pro Monat in die Rentenversicherung ein. Übrigens: Es ist möglich, sich von der Rentenversicherungspflicht befreien zu lassen. Allerdings werden dann auch keine Ansprüche an die Rentenkasse erworben.

Wer als Student mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet, wird sozialversicherungspflichtig. Dies gilt unter Umständen nicht, wenn sich die Vollzeitbeschäftigung auf die Semesterferien beschränkt, da dann davon ausgegangen wird, dass das Studium im Vordergrund steht. Wird neben der Werkstudententätigkeit vielleicht noch ein zusätzlicher Mini-Job ausgeübt, und werden insgesamt die 20 Stunden pro Woche überschritten, so ist es sinnvoll, von der Einzugsstelle unter Vorlage der Verträge schriftlich prüfen zu lassen, ob eine Versicherungspflicht besteht. Ausnahmeregelungen, wie die Tätigkeit an Wochenenden, können diese unter Umständen nämlich umgehen.

Werkstudenten werden über ihren Arbeitgeber automatisch beim Finanzamt angemeldet. Dies bedeutet, dass Steuern fällig werden, sofern der Grundfreibetrag von 8.130 Euro (Ledige) oder 16.260 Euro (Verheiratete) pro Jahr überschritten wird (Stand 2013).

Das Nützliche mit dem Notwendigen verbinden

Wer nicht ohnehin schon eine Ausbildung mit ins Studium bringt und in seinem gelernten Beruf stundenweise arbeiten möchte, sucht sich eine Tätigkeit, die das Studium ergänzt oder einen willkommenen Ausgleich dazu bringt. Für ein BWL-Studium eignen sich je nach Ausrichtung die einzelnen Fachabteilungen wie Human Resources, Marketing, Controlling, Einkauf oder Logistik. Naturwissenschaftler wie Ingenieure finden dagegen in den Fachabteilungen wie Forschung & Entwicklung oder IT ideale Betätigungsfelder, um Geld zu verdienen und gleichzeitig Know-how für den Berufseinstieg zu sammeln. Die Aufgaben, mit denen Werkstudenten betraut werden, sind stark abhängig vom Unternehmen und auch von den einzelnen Abteilungen und können von Routineaufgaben bis hin zu sehr verantwortungsvollen Aufgaben reichen, die selbständiges Arbeiten erfordern.

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Wo findet man einen Werkstudentenjob

Ausschreibungen für Werkstudententätigkeiten finden sich über die Online-Jobbörsen der Universitäten und Hochschulen sowie per Aushang an den dafür vorgesehenen Tafeln direkt an der Hochschule. Viele Unternehmen nutzen mittlerweile auch Social Media und die großen Onlinejobbörsen, um Werkstudenten zu finden. Häufig spielt auch das berühmte „Vitamin B“ eine Rolle, um an einen der begehrten Jobs bei den besonders attraktiven Arbeitgebern zu kommen. Wer vor seinem Studium bereits eine Ausbildung absolviert hat, kann häufig auf seine Kontakte in den Ausbildungsbetrieben zurückgreifen und dort eine Werkstudentenstelle ergattern.

Bewerbungsverfahren

Das Auswahlverfahren für eine Werkstudententätigkeit entspricht in der Regel einer Bewerbung um ein Praktikum oder um eine Vollzeitstelle. Gefordert werden neben einem fehlerfreien Motivationsschreiben, einem Bewerbungsfoto und einem aussagekräftigen Lebenslauf auch Zeugnisse, Zertifikate und Beurteilungen früherer Arbeitgeber. Das Vorstellungsgespräch wird entweder von den Personalverantwortlichen der Firma oder auch direkt von der Fachabteilung geführt, in der die Werkstudententätigkeit zu besetzen ist. Schließlich müssen die Werkstudenten in das Team der Kollegen passen, mit denen sie zuarbeiten sollen.

Vertragliches

In der Arbeitswelt geht nichts ohne schriftliche Vereinbarung, dies gilt auch für die Werkstudententätigkeit. Im obligatorischen Arbeitsvertrag sollten neben dem Gehalt und der wöchentlich zu leistenden Stundenanzahl auch die Kündigungsfristen und der Urlaubsanspruch festgehalten werden, der abhängig von der jeweiligen Stundenzahl anteilig zu gewähren ist. Im Zweifelsfall gelten die gesetzlichen oder die tariflichen Mindestbestimmungen. Soweit möglich, sollte auch von Anfang an Klarheit darüber bestehen, an welchen Wochentagen die Arbeit zu leisten ist, um die Werkstudententätigkeit gut in den universitären Ablauf integrieren zu können.

Einfluss auf BAföG und Bildungskredite

Für die Finanzierung eines Studiums gibt es natürlich auch die Möglichkeit, staatliche Förderungen in Form von BAföG zu beantragen und zinsgünstige Bildungskredite in Anspruch zu nehmen. Beides ist auch parallel möglich, mit der Konsequenz, dass die Belastungen steigen und irgendwann einmal die Rückzahlung ins Haus steht. Es stellt sich natürlich auch die Frage, welchen Einfluss Einkommen aus Werkstudententätigkeiten, Mini-Jobs und ähnliche Einnahmequellen auf diese Leistungen haben. Einkommen, das Studenten im Laufe des Jahres mit Werkstudententätigkeiten, Mini-Jobs und ähnlichen Betätigungen erwirtschaften, kann sich unter Umständen nachträglich auf die Leistungen auswirken, die Studierende über das BAföG beziehen, da sich diese auf die Berechnungsgrundlage für die Ansprüche auswirken. Auf Bildungskredite wie den KfW-Studienkredit, der eltern- und einkommensunabhängig gewährt wird, haben Werkstudententätigkeiten nur insofern Einfluss als sie die notwendige Summe und damit auch die finanzielle Belastung durch Zinsen und spätere Tilgungsraten möglichst gering halten. Geld, das Studenten selbst hinzuverdienen, müssen sie schließlich nicht durch Kredite fremdfinanzieren.

Werkstudentenzeugnis

Da Werkstudenten die Chance haben, sich über einen längeren Zeitraum von ihrer besten Seite zu zeigen und sich für Aufgaben zu qualifizieren, können sie auch auf ein ausführliches und positives Zeugnis hoffen, um sich damit entweder firmenintern oder auch bei anderen Unternehmen zu bewerben. Auch Empfehlungsschreiben, etwa für Auslandsaufenthalte oder für die Bewerbung um ein Stipendium können attraktive Nebeneffekte von Werkstudententätigkeiten sein. Nicht selten wird aus einer erfolgreichen Werkstudententätigkeit das Sprungbrett für den späteren Berufseinstieg.

Die Vorteile einer Werkstudententätigkeit im Überblick

  • Praktische Erfahrung sammeln, theoretische Kenntnisse vertiefen und Geld verdienen
  • Werkstudentenzeugnis und Empfehlungsschreiben
  • Informationen über interne Stellenausschreibungen
  • Persönliche Kontakte knüpfen, die in der beruflichen Zukunft weiterhelfen
  • Kontinuierliches Arbeitsverhältnis spart Zeit und gibt Sicherheit

Quellen:

http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/85658/werkstudent-v7.html

http://www.bafög.de

http://de.wikipedia.org/wiki/Werkstudent

http://www.deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/232696/publicationFile/54365/tipps_fuer_studenten.pdf