Berufsausbildungsbeihilfe – ein Überblick für Auszubildende

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Die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) ist eine staatliche Leistung, die von der Agentur für Arbeit bewilligt und ausgezahlt wird. Die gesetzlichen Grundlagen dafür sind im SGB III in Verbindung mit dem BAföG (Berufsausbildungsförderungsgesetz) geregelt. Sie steht unter bestimmten Voraussetzungen allen jungen Menschen zu, die eine Berufsausbildung machen oder eine berufsvorbereitende Maßnahme besuchen. Die Höhe der Berufsausbildungsbeihilfe ist allerdings begrenzt und sie wird nicht für alle Ausbildungen gewährt.

Voraussetzungen für den Bezug von Berufsausbildungsbeihilfe

Für den Bezug von Berufsausbildungsbeihilfe gibt es verschiedene Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen. Grundsätzlich kann jeder Auszubildende BAB beantragen, der nicht mehr im Haushalt seiner Eltern wohnt. Bei minderjährigen Antragsstellern muss die Ausbildungsstätte zudem weit genug von der Wohnung der Eltern entfernt liegen. Die Ausbildungsstätte muss mindestens zwei Stunden Fahrtzeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln entfernt sein. Bei verheirateten oder volljährigen Antragstellern gilt diese Beschränkung nicht. Bei berufsvorbereitenden Maßnahmen darf der Teilnehmer auch noch bei seinen Eltern wohnen. Nicht alle Ausbildungen werden durch die Berufsausbildungsbeihilfe gefördert, rein schulische Ausbildungen sind nicht förderfähig. Eine weitere Ausbildung nach einer bereits erfolgten abgeschlossenen Ausbildung wird ebenfalls nur in Einzelfällen gefördert, wenn die zusätzliche Ausbildung für die Integration in das Berufsleben und den Arbeitsmarkt notwendig ist. Die Förderung für Zweitausbildungen liegt immer im Ermessen der Agentur für Arbeit und muss nicht unbedingt bewilligt werden, selbst wenn die grundsätzlichen Voraussetzungen vorliegen.

Die Berufsausbildungsbeihilfe kann nur dann bezogen werden, wenn der Antragssteller keine anderen, ähnlichen Förderungen erhält (z. B. Leistungen nach dem Bundesversorgungsgesetz). Solche Leistungen sind nicht kombinierbar. Die Berufsausbildungsbeihilfe wird, wie oben beschrieben, dann gezahlt, wenn der Antragssteller eine nicht-schulische, sondern eine betriebliche Ausbildung absolviert. Bei schulischen bzw. universitären Ausbildungen kann hingegen BAföG beantragt werden. Einige Ausbildungen sind sowohl in Betrieben als auch in Schulen möglich. In solchen Fällen und bei Unklarheiten kann für beide Förderungsarten ein Antrag gestellt werden. Dann wird geprüft, welche der beiden Förderungsmöglichkeiten überhaupt infrage kommt.

Die Höhe der Berufsausbildungsbeihilfe

Die Höhe der Berufsausbildungsbeihilfe ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Neben der eigenen Ausbildungsvergütung wird auch das Einkommen der Eltern berücksichtigt. Bei allen Einkünften werden aber Freibeträge abgezogen, die nicht berücksichtigt werden:

  • beim Einkommen der Eltern:
    • Zusammenlebende, verheiratete Eltern: 1.605,- €
    • Elternteil in sonstigen Fällen: 1.070,- €
    • Stiefelternteil, nicht in förderungsfähiger Ausbildung: 535,- €
    • Kinder, nicht in förderungsfähiger Ausbildung: 485,- €
  • beim Einkommen des eigenen Ehepartners:
    • Ehepartner: 1.070,- €
    • Kinder, nicht in förderungsfähiger Ausbildung: 485,- €

Wenn das Pendeln zwischen der Ausbildungsstätte und dem Wohnhaus der Eltern für den Auszubildenden nicht möglich ist und dieser deswegen eine eigene Wohnung bezieht, bleiben zusätzlich 567,- € beim Elterneinkommen anrechnungsfrei. Beim Auszubildenden wird dieser Umstand mit 58,- € Freibetrag berücksichtigt.

Das Kindergeld wird niemals bei den Einkünften berücksichtigt. Die BAB ist zudem auf Höchstbeträge begrenzt. Für die Berechnung der eigenen Ansprüche gibt es Hilfe von der Arbeitsagentur, entweder auf den Internetseiten der Behörde oder persönlich in der jeweils zuständigen Agentur vor Ort. Die Berufsausbildungsbeihilfe kann unter Umständen nicht ausreichend sein, um die tatsächlichen Kosten zu decken, da insbesondere die Höhe des Mietkostenzuschusses auf 224,- € begrenzt ist. Für das Pendeln zwischen Arbeitsplatz und Wohnung werden monatlich maximal 476,- € zusätzlich erstattet und für Berufsbekleidung maximal 12,- € monatlich. Die Höchstbeträge werden nur erstattet, wenn die Kosten nachgewiesen werden.

Die Berechnung der Höhe der Berufsausbildungsbeihilfe erfolgt nach einem festen Muster. Zunächst wird der Bedarf des Auszubildenden berechnet. Der Grundbedarf liegt aktuell bei 348,- € monatlich. Damit sollen alle üblichen Kosten des täglichen Lebens abgedeckt sein. Dazu kommt eine Pauschale von 149,- € für Mietkosten. Liegen diese nachgewiesen höher, werden maximal noch einmal 75,- € zusätzlich berechnet. Fahrtkosten zur Arbeitsstätte und eine Familienheimfahrt pro Monat werden ebenfalls berücksichtigt. Von dem ermittelten Bedarf wird dann zunächst die Ausbildungsvergütung exklusive Freibetrag abgezogen und danach der mögliche Elternunterhalt, wenn das Einkommen der Eltern oberhalb der Freigrenzen liegt. Liegt das Einkommen unterhalb der Freigrenzen, erhält der Auszubildende die Differenz zwischen Bedarf und Ausbildungsvergütung als Berufsausbildungsbeihilfe von der Agentur für Arbeit.

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Berufsausbildungsbeihilfe beantragen

Die Berufsausbildungsbeihilfe wird bei der örtlichen Agentur für Arbeit beantragt. Die Antragsformulare sind leider nicht online verfügbar, können aber innerhalb der Öffnungszeiten abgeholt werden. Die meisten Arbeitsagenturen schicken die Antragsformulare auch per Post zu. Neben den Unterlagen für den Auszubildenden sind auch Formulare für die Eltern, den Ausbildungsbetrieb und gegebenenfalls für den Ehepartner beigefügt, die ebenfalls zurückgesendet werden müssen. Die Unterlagen sind unbedingt korrekt auszufüllen, da falsche Angaben fatale Folgen haben können. Entdeckt die Agentur für Arbeit falsche Angaben, die zu einer anderen Berechnung der Berufsausbildungsbeihilfe führen, fordert das Amt die zu viel gezahlte BAB zurück. Als Antragsteller haftet man nicht für die Angaben der Eltern und die des Ausbildungsbetriebs. Bei korrekten Angaben muss die Berufsausbildungsbeihilfe nicht zurückgezahlt werden.

Der Berufsausbildungsbeihilfe Antrag sollte rechtzeitig abgeschickt werden, am besten schon vor Beginn der Ausbildung. Die Agentur für Arbeit zahlt die Berufsausbildungsbeihilfe frühestens ab dem Monat aus, in dem der Antrag gestellt worden ist. Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer ist von Amt zu Amt unterschiedlich, drei bis fünf Wochen sollten aber immer eingeplant werden. Für einen reibungslosen Ablauf sind mindestens folgende Unterlagen erforderlich:

  • vollständig ausgefüllter Antrag des Antragsstellers
  • Fragebogen der Eltern
  • Fragebogen des Ausbildungsbetriebs
  • Nachweis des Mietvertrags und der Kosten
  • gegebenenfalls Nachweise für Arbeitskleidung

Berufsausbildungsbeihilfe erhalten – wie läuft die Auszahlung ab?

Berufsausbildungsbeihilfe wird immer für maximal 18 Monate von der Arbeitsagentur bewilligt. Nach Ablauf dieses Zeitraums muss ein Folgeantrag gestellt werden, der weitaus weniger Daten abfragt und in der Regel zeitnah bewilligt wird, wenn sich die Voraussetzungen nicht geändert haben. Die BAB wird während der gesamten Ausbildungszeit ausgezahlt. Die Auszahlung der BAB erfolgt per Überweisung auf das Konto des Auszubildenden. Die Berufsausbildungsbeihilfe ist nicht zweckgebunden, es ist also egal, ob das Geld zur Zahlung der Miete oder für einen neuen Fernseher verwendet wird. Der Empfang der Bundesausbildungsbeihilfe ist für den Auszubildenden grundsätzlich nicht mit Kosten verbunden, die Agentur für Arbeit erhebt keine Bearbeitungsgebühren.

Berufsausbildungsbeihilfe im Ausland

Die Berufsausbildungsbeihilfe kann auch für eine Ausbildung im Ausland gewährt werden, dafür verlangt die Agentur für Arbeit aber einige zusätzliche Nachweise:

  • bei Gesamtausbildung im Ausland:
    • Ausbildung muss dem Berufsziel des Auszubildenden besonders dienlich sein
    • eine amtliche Bestätigung für die Gleichstellung der Ausbildung im Ausland mit einem deutschen Ausbildungsberuf
  • bei teilweiser Ausbildung im Ausland:
    • der Auslandsaufenthalt darf maximal ein Jahr dauern
    • der Aufenthalt muss im Verhältnis zur Gesamtausbildungsdauer angemessen erscheinen

Eine weitere Zugangsvoraussetzung existiert nun nicht mehr. Bis zu einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs mussten Antragsteller seit mindestens drei Jahren in Deutschland leben. Der EuGH hat diese Regelung gekippt und die Agentur für Arbeit hat die Voraussetzung ersatzlos gestrichen. Der Nachweis der Anerkennung der Ausbildung in Deutschland ist je nach Beruf und Wunschland nicht einfach zu bekommen, deswegen sollten Auszubildende, die eine entsprechende Ausbildung planen, frühzeitig eine solche Bestätigung beantragen.

Elternunabhängige Berufsausbildungsbeihilfe

Die Berufsausbildungsbeihilfe wird grundsätzlich elternabhängig gewährt, sodass das Einkommen der Eltern berücksichtigt wird. Aufgrund von schwierigen Familienverhältnissen kann es aber dazu kommen, dass der Kontakt vollkommen abbricht und nicht mehr gewünscht ist. In diesen Fällen kann die Agentur für Arbeit entscheiden, dass das Einkommen der Eltern nicht berücksichtigt wird. Alternativ kann der Auszubildende auch einen Antrag auf Vorausleistung stellen, wenn die Eltern trotz eines hohen Einkommens nicht bereit sind, eine finanzielle Unterstützung zu leisten. Die Agentur für Arbeit fordert das ausgezahlte Geld notfalls auch gerichtlich von den Eltern zurück. Die Entscheidung für eine Vorauszahlung wird das vermutlich ohnehin angespannte Verhältnis nicht verbessern, sodass dieser Schritt sehr genau überlegt werden sollte.