Kindergeld – Unterstützung für Familien

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Da laut Grundgesetz die Familie besonderen Schutz genießt, hat der Gesetzgeber verschiedene Maßnahmen getroffen, Familien vor allem auch finanziell zu unterstützen – hierzu gehört auch das Kindergeld. Es handelt sich dabei um eine Steuervergütung, mit der das Einkommen der Eltern soweit entlastet werden soll, dass das Existenzminimum des Kindes gesichert ist. Zuständig für die Genehmigung und die Auszahlung des Kindergeldes sind die Familienkassen.

Wer hat einen Kindergeldanspruch?

Generell hat jede Familie mit einem Kind, das noch nicht volljährig ist, ab dessen Geburt Anspruch auf Kindergeld – dies gilt auch für Pflege- oder Adoptivkinder. Auch ausländischen Familien steht Kindergeld zu, solange sie eine Niederlassungs- oder Aufenthaltserlaubnis haben. Voraussetzung ist allerdings in jedem Fall, dass die Eltern ihren Wohnsitz in Deutschland haben und dort auch unbeschränkt einkommenssteuerpflichtig sind. Zudem darf das Kind keine Leistungen aus der gesetzlichen Renten- oder Unfallversicherung erhalten.

In bestimmten Fällen können Familien auch dann noch Kindergeld erhalten, wenn das Kind das 18. Lebensjahr vollendet hat:

  • Für ein Kind, das sich noch in der Ausbildung befindet, wird bis zum 25. Lebensjahr Kindergeld gezahlt. Als Ausbildung gelten der Besuch einer allgemeinbildenden Schule, eine betriebliche Lehre oder eine weiterführende Ausbildung, wie etwa ein Studium. Zudem erhält man für eine Übergangszeit von bis zu vier Monaten Kindergeld, beispielsweise für den Zeitraum zwischen Schulabschluss und Beginn eines Studiums. Einer Ausbildung gleichgestellt ist die Wartezeit auf einen Ausbildungsplatz, sofern diese Wartezeit nicht freiwillig ist.
  • Für Kinder ohne Arbeitsplatz erhält man bis zum Ende des 21. Lebensjahrs Kindergeld. Voraussetzung ist, dass das Kind bei der Agentur für Arbeit oder einer entsprechenden Institution als arbeitssuchend gemeldet ist. Eine geringfügige Tätigkeit gilt hier nicht als Berufstätigkeit und hat somit keinen Einfluss auf die Bewilligung des Kindergeldes.
  • Bei körperlich, geistig oder seelisch behinderten Kindern, die nicht in der Lage sind, für ihren eigenen Unterhalt zu sorgen, ist eine dauerhafte Zahlung von Kindergeld möglich. In diesem Fall muss aber die Behinderung vor Vollendung des 25. Lebensjahrs eingetreten sein, zudem darf das Jahresnettoeinkommen des behinderten Kindes 8.130,- Euro nicht übersteigen.

Auch für ein im Ausland lebendes Kind kann Kindergeld beantragt werden. Das Kind muss hierfür im EU-Ausland leben oder in einem Land, mit dem die Bundesrepublik ein Abkommen über soziale Sicherheit geschlossen hat (Schweiz, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Türkei, Marokko, Tunesien). Zudem darf das Kind im Ausland keine dem Kindergeld vergleichbaren Leistungen erhalten.

Wie wird der Kindergeldantrag gestellt?

Möchte man Kindergeld beantragen, muss man dies schriftlich bei der zuständigen Familienkasse tun. Ein mündlicher Antrag ist nicht möglich. Es ist allerdings auch nicht erforderlich, einen der amtlichen Vordrucke zu verwenden. Um den Anspruch auf Kindergeld geltend zu machen, ist in jedem Fall aber ein Antrag notwendig – dieser ist kostenlos.

Wird für ein noch nicht volljähriges Kind Kindergeld beantragt, müssen zusätzlich die Geburtsurkunde sowie ein Nachweis der Zugehörigkeit zum Haushalt eingereicht werden. Bei Kindern in der Ausbildung benötigt die Familienkasse einen entsprechenden Ausbildungsnachweis, bei Kindern mit Behinderung den Behindertenausweis.

Bis 2011 war zusätzlich ein Nachweis über die Einkünfte des Kindes erforderlich, da bei einem Jahresnettoeinkommen von mehr als 8.004,- Euro kein Anspruch auf Kindergeld mehr bestand – von 2004 bis 2009 lag diese Grenze sogar nur bei 7.680,- Euro. Infolge des Steuervereinfachungsgesetzes wurde die Einkommensgrenze für Kinder jedoch abgeschafft.

Die Kindergeldauszahlung erfolgt durch die Familienkasse der Agentur für Arbeit. Der Betrag wird monatlich auf das im Antrag angegebene Konto überwiesen, eine Barauszahlung ist nicht möglich. Sollte Kindergeld zu Unrecht gewährt werden, müssen eventuell geleistete Zahlungen an die Familienkasse zurücküberwiesen werden. Ansonsten handelt es sich beim Kindergeld um eine staatliche Hilfsleistung, die nicht zurückgezahlt werden muss.

Sollten sich bei den Einkommensverhältnissen der Eltern oder dem Status des Kindes Änderungen ergeben, sind diese der Familienkasse unverzüglich mitzuteilen. Die Familienkasse prüft darüber hinaus in regelmäßigen Abständen, ob die Voraussetzung für die Gewährung des Kindergeldes noch gegeben sind.

Wie viel Kindergeld erhält man?

Die Höhe des Kindergeldes ist nach der Anzahl der im Haushalt lebenden Kinder gestaffelt:

  • Für das erste und zweite Kind bekommt man monatlich je 184,- Euro
  • Für das dritte Kind erhält man pro Monat 190,- Euro
  • Für das vierte und jedes weitere Kind zahlt die Familienkasse monatlich 215,- Euro

Zusätzlich ist das Finanzamt bei der Festlegung der Einkommenssteuer gesetzlich zu einer sogenannten „Günstigerprüfung“ verpflichtet. In deren Rahmen stellt das Amt fest, ob sich durch den Abzug der Kinderfreibeträge ein Steuervorteil ergibt, der höher ist als das Kindergeld. Ist das der Fall, wird die Differenz zum Kindergeld ausgezahlt, ansonsten bleibt es beim regulären Kindergeldbetrag.

Der Abzug des Kinderfreibetrages ist in der Regel vor allem für Familien mit hohem Einkommen von Vorteil, Eltern mit geringerem Einkommen profitieren dagegen vom Kindergeld als Sozialleistung.

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Wofür darf das Kindergeld verwendet werden?

Das Kindergeld dient laut Gesetz der Existenzsicherung des Kindes, da die Familienkasse allerdings keine Nachweise über die Verwendung verlangt, kann das Kindergeld prinzipiell für jeden Zweck ausgegeben werden.

Kindergeld – nicht nur für Eltern?

Eine häufige Streitfrage ist, wem das Kindergeld tatsächlich zusteht – den Eltern oder dem Kind? Die Antwort auf diese Frage lautet: den Eltern – gefolgt von einem Aber. Im Allgemeinen steht das Kindergeld den Eltern zu, da diese für den Unterhalt des Kindes verantwortlich sind. Das Kindergeld soll ihnen diese Verpflichtung erleichtern, daher sind sie die Anspruchsberechtigten.

Kann ein Kindergeldberechtigter trotz Verpflichtung jedoch keinen oder nur unzureichenden Unterhalt für das Kind leisten, ist es möglich, das Kindergeld an die Behörde oder Person auszuzahlen, die tatsächlich für den Unterhalt des Kindes aufkommt. Ist das Kind volljährig, kann das Kindergeld auf Antrag auch direkt an das Kind ausgezahlt werden.

Erhält man auch als Vollwaise noch Kindergeld?

Die knappe Antwort auf diese Frage lautet: ja. Kinder, deren Eltern verstorben sind oder die den Aufenthaltsort ihrer Eltern nicht kennen, können für sich selbst wie für ein erstes Kind Kindergeld beantragen. Voraussetzung ist allerdings, dass niemand sonst für sie Anspruch auf Kindergeld hat.

Darf man Kindergeld zusätzlich zu anderer Förderung beantragen?

Da das Einkommen des Kindes mittlerweile für den Anspruch auf Kindergeld nicht mehr von Belang ist, hat eine anderweitige Förderung, wie beispielsweise BAföG, keinen Einfluss auf die Bewilligung des Kindergeldes. Umgekehrt gilt zumindest beim BAföG das Gleiche – da das Kindergeld nicht zum Einkommen hinzugerechnet wird, hat es keine Auswirkung auf den Antrag und die Höhe der Förderung.

Was ist ein Zählkind?

Gibt es für ein Kind beim Kindergeld einen vorrangig Berechtigten (zum Beispiel die Mutter), kann es bei einem nachrangig Berechtigtem (etwa dem getrennt lebenden Vater) als sogenanntes Zählkind berücksichtigt werden. Das heißt, es wird bei der Ermittlung der im Haushalt lebenden Kinder einbezogen. Zwar erhält der nachrangig Berechtigte kein Kindergeld für das Zählkind, bei zwei oder mehr im Haushalt lebenden Kindern kann sich aber der Kindergeldbetrag erhöhen, sofern das Zählkind älter als die anderen Kinder ist.

Hätte der Vater einer Familie mit zwei Kindern beispielsweise ein älteres Kind aus erster Ehe, das bei der Mutter lebt, würde es als Zählkind berücksichtigt. Die beiden Kinder der Familie würden dann im Rahmen der Bemessung des Kindergeldes als zweites und drittes Kind angesehen, sodass die Familie 374,- Euro (184 + 190) statt 368,- Euro (184 + 184) Kindergeld erhalten würde.

Wo findet man Hilfe und weitere Informationen zum Kindergeld?

Weiterführende Auskünfte erteilt selbstverständlich die zuständige Familienkasse. Zudem finden sich auf der Webseite der Bundesagentur für Arbeit sowie auf privaten Seiten zahlreiche nützliche Informationen. Auch ein Besuch bei einem Fachanwalt kann unter Umständen hilfreich sein, ist allerdings mit Kosten verbunden.