Bildungskredit: Investieren in die Zukunft

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Laut der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes, deren Ergebnisse im Juni 2013 veröffentlicht wurden, mussten Studierende für ein klassisches Studium im Jahr 2012 zwischen 570 Euro und über 1100 Euro pro Monat aufbringen. Bei der Erhebung waren zwar noch die mittlerweile weggefallenen Studiengebühren berücksichtig, aber ein Durchschnittswert von 850 Euro, die ein Studium pro Monat kostet, dürfte auch jetzt noch der Realität sehr nahe kommen. Das bedeutet, dass schon ein Bachelor-Studium mit einer Regelstudienzeit von bis zu vier Jahren mit bis zu 40.800 Euro zu Buche schlägt. Wird der Master angeschlossen, kommen noch einmal Kosten für ein bis zwei weitere Studienjahre hinzu, also etwa 20.400 Euro.

Hoher Kapitalbedarf für Aus- und Weiterbildungen

Der Kapitalbedarf ist also hoch und die Lösung liegt für viele Auszubildende und Studierende in einer Art „Mischfinanzierung“. In erster Linie tragen viele Eltern und Großeltern zum Unterhalt bei und auch die Studierenden selbst opfern einen Teil ihres bereits Ersparten oder jobben nebenbei, um das Studium zu finanzieren. Auch „Vater Staat“ öffnet sein Säckel und fördert durch zinsfreie und teilweise tilgungsfreie BAföG-Darlehen das Bildungsbestreben seiner Kinder. Da jedoch nicht jeder Anspruch auf BAföG hat, gibt es seit einigen Jahren auch weitere Finanzierungsmöglichkeiten. So hat der Bund den zinsgünstigen Bildungskredit aufgelegt und die staatliche KfW-Bank bietet, wie viele private Kreditinstitute auch, spezielle Studienkredite an, mit denen sich manche Löcher im studentischen Geldbeutel stopfen lassen.

Der Bildungskredit bietet zinsgünstiges Fremdkapital

Der Bildungskredit ist ein spezielles Angebot der Bundesregierung und dafür gedacht, Schülern und Studierenden auf dem Weg zu einem berufsqualifizierenden Abschluss in einer fortgeschrittenen Ausbildungsphase einen finanziellen Spielraum zu eröffnen. Mit dem Bildungskredit können auch Zweit- und Folgestudiengänge gefördert, ausbildungsbedingte Praktika im In- und Ausland und teilweise auch das Studium im Ausland finanziert werden. Grundsätzlich muss die Ausbildung nach den Richtlinien des BAföG förderfähig sein und in Vollzeit ausgeübt werden. Er wird nur gewährt, wenn bereits Studienleistungen wie etwa die Zwischenprüfung nachweisbar erbracht wurden. Speziell Auszubildende sollten sich außerdem in den letzten 24 Monaten ihrer Ausbildung befinden. Der Bildungskredit kann also nicht in der Anfangsphase der Ausbildung oder im Grundstudium beantragt werden. Anders als bei den Leistungen des BAföG besteht auf die Gewährung des Bildungskredites auch kein Rechtsanspruch. Dies sind allerdings auch schon die einzigen Nachteile des Bildungskredites im Vergleich zu den anderen Finanzierungsmöglichkeiten. Der große Vorteil dieses Kredites, der auch zusätzlich zum BAföG beantragt werden kann, liegt vor allem im unschlagbar günstigen Jahreszinssatz von derzeit 1,34 Prozent. Es gibt keine versteckten Kosten, die viele private Kreditprodukte zusätzlich verteuern. Im Rahmen des Bildungskredites kann eine Kreditsumme zwischen 1.000 Euro und 7.200 Euro beantragt werden, die in bis zu 24 Monatsraten in der Höhe von 100 Euro, 200 Euro oder 300 Euro zur Auszahlung kommt. Auch eine Abschlagszahlung von bis zu 3.600 Euro ist möglich, um ausbildungsbezogene Anschaffungen zu tätigen oder zusätzliche Kosten für ausbildungsbedingte Auslandsaufenthalte zu finanzieren. Die Antragsteller müssen mindestens volljährig sein und dürfen das 36. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Der Bildungskredit ist darüber hinaus unabhängig vom eigenen Einkommen und Vermögen und wird ebenfalls unabhängig vom Einkommen und Vermögen von Eltern, Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartnern gewährt.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass der Kredit kostenfrei zum Monatsende gekündigt werden kann. Die Rückzahlung beginnt vier Jahre nach der ersten Auszahlung. Es bleibt also genügend Zeit, um erst einmal Geld zu verdienen. Die monatliche Rückzahlungsrate beträgt dann unabhängig vom Einkommen 120 Euro.

Der Antrag sollte frühestens sechs Wochen vor dem Bewilligungszeitraum gestellt werden. Die Antragstellung ist über ein Onlineformular direkt auf der Plattform www.bildungskredit.de möglich. Weitere Formulare etwa zum Nachweis erbrachter Studienleistungen, müssen innerhalb von zwei Wochen nach Antragstellung per Post eingereicht werden.

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Studienkredite: Nachfrage schafft Angebot

Aufgrund eines begrenzten Kreditvolumens, das für den Bildungskredit vom Bund bereitgestellt wird, und den anderen genannten Einschränkungen, ist der Bildungskredit nur begrenzt verfügbar. Die Nachfrage nach Finanzierungsmöglichkeiten für Aus- und Weiterbildungen ist allerdings groß. Daher bieten neben staatlichen Instituten wie der KfW-Bank auch viele privatwirtschaftliche Kreditinstitute unter dem Oberbegriff „Studienkredit“ mehr oder weniger attraktive Finanzierungslösungen an. Diese Studienkredite haben zwar tendenziell einen niedrigeren Zinssatz als die herkömmlichen Konsumkredite, allerdings ist der Zinssatz bereits schon wieder deutlich höher als der des Bildungskredites, den ausschließlich der Bund anbietet. Ein Vergleich kann sich daher lohnen. Der Studienkreditrechner hilft dabei. Ausgehend vom individuellen Bedarf und den Rahmenbedingungen werden dort etwa 80 Finanzprodukte in die Berechnung mit einbezogen. Das im Oktober 2013 veröffentlichte Testergebnis der Zeitschrift Finanztest zum Thema Studienkredite ergab einen klaren Sieger: Das beste Studienkredit-Angebot gibt es momentan bei der KfW-Bank. Doch auch hier liegt der effektive Jahreszins bei derzeit bereits 3,16 Prozent. Die Studienkredite werden zwar in der Regel ähnlich wie der Bildungskredit einkommensunabhängig angeboten, allerdings ist davon auszugehen, dass die Banken Schufa-Auskünfte über die Antragsteller einholen und die Zahlungsmoral prüfen. Da der Bildungskredit und die Studienkredite Verbindlichkeiten darstellen, mindern sie das anrechenbare Vermögen und wirken sich damit nicht negativ auf einen möglichen BAföG-Anspruch aus.

Investition: ein anderer Begriff für Schulden?

Nun lässt sich sicher trefflich darüber streiten, inwiefern es sich bei BAföG, Bildungskredit und Studienkrediten um Konsumkredite oder um Investitionen in die berufliche Zukunft handelt. Fest steht, dass die ausgezahlten Beträge irgendwann einmal zurückgezahlt werden müssen und zwar – mit Ausnahme des BAföG – zuzüglich angefallener Zinsen. Um das Überschuldungsrisiko zu mindern, sollten in jedem Fall Sondertilgungsmöglichkeiten genutzt werden, wie sie etwa der Bildungskredit jederzeit in beliebiger Höhe einräumt. Denn je länger es dauert, die Schulden abzutragen, desto mehr schlagen Zins- und Zinseszinseffekt zu Buche. Bei den Studienkrediten gibt es je nach Angebot auch die Möglichkeit, die Zinsen bereits in der Auszahlungsphase zu zahlen, sie werden dann vom Auszahlungsbetrag abgezogen. Auch dies hat den Vorteil, dass die spätere Tilgungslast sinkt.