Konfliktmanagement in der WG

© alphaspirit - fotolia.com

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Dicke Luft – Streitereien in der WG vorbeugen und lösen

Da während des Studiums oder der Ausbildung das Budget oft knapp bemessen ist, entscheiden sich viele junge Menschen bei der ersten eigenen Wohnung für eine WG. Neben den finanziellen Vorteilen spricht auch noch anderes für eine Wohngemeinschaft: sozialer Kontakte sowie Hilfe bei neuen, ungewohnten Aufgaben. Möchte man zusammen leben, ohne dass es zu Streit und Problemen kommt, sollten einige Regeln aufgestellt werden. Auf was man beim Konfliktmanagement in der WG besonders achten sollte, darum geht es in diesem Text.

Wie viel Regeln braucht die WG?

Wie viele Regeln eine Wohngemeinschaft braucht, um das Konfliktpotential möglichst gering zu halten, hängt vor allem von der Zahl der Mitbewohner ab. Je mehr Menschen zusammenleben, desto fester muss der Alltag organisiert sein, denn viele Menschen bedeuten auch viele unterschiedliche Interessen und Ansichten, was schnell zu Konflikten führen kann. (1)

Thema Nummer eins: die Sauberkeit

Das Thema mit dem wohl größten Konfliktpotential in einer WG ist die Sauberkeit, die einen enormen Einfluss auf den Wohnkomfort hat. Aus diesem Grund sollte man sich unbedingt über die Putzregeln in einer Wohngemeinschaft informieren, bevor man überlegt, dort einzuziehen. Gehen nämlich die Vorstellungen bezüglich der Sauberkeit weit auseinander, sind Probleme vorprogrammiert. (1)(2)

Beim Thema Sauberkeit spielt die Zahl der Mitbewohner nur eine untergeordnete Rolle – eine Zweier-WG braucht genauso einen Putzplan wie eine Wohngemeinschaft mit fünf WG-Mitgliedern. Was alles zum Putzplan gehört und wofür die einzelnen Bewohner selbst verantwortlich sind, sollte zum einen von der Größe der WG und zum anderen von den Vorstellungen bezüglich der Sauberkeit abhängen. Absolut unumgänglich ist ein Plan bei der Reinigung des Bades und beim Abwasch, denn hier fällt die meiste Arbeit an. (1)(2)

Der Abwasch sollte entweder täglich oder zumindest alle zwei Tage erledigt werden – vor allem bei größeren Wohngemeinschaften eher täglich. Bei einer Zweier-WG kann man entweder gemeinsam abwaschen oder sich abwechselnd um das schmutzige Geschirr kümmern. Ab drei Mitbewohnern ist es sinnvoll, dass jeweils einer an einem Tag für den Abwasch zuständig ist. Zwar fällt nicht jeden Tag die gleiche Menge an schmutzigem Geschirr an, sodass man sich ab und zu etwas benachteiligt fühlen kann, auf lange Sicht gesehen ist diese Regelung aber durchaus gerecht. Ist der Abwasch für alle Mitbewohner eine extrem lästige Pflicht, sollte man überlegen, eine Geschirrspülmaschine anzuschaffen – gebraucht sind diese schon recht günstig zu bekommen. (1)(2)

Das Bad sollte zumindest einmal in der Woche geputzt werden – so vermeidet man, dass sich Schmutz und Kalk festsetzen und die Reinigung des Bades zu einer mehrstündigen Aktion wird. Verursacht ein Mitbewohner einmal besonders viel Dreck – etwa, weil er nach dem Downhill-Rennen vollkommen schlammverschmiert nach Hause kommt – gehört es sich natürlich, dass er diesen auch außer der Reihe wieder beseitigt. (1)(2)

Sonstige Reinigungsarbeiten, wie etwa Staubsaugen, Bodenwischen oder Fensterputzen, müssen nicht zwingend mit einem Putzplan geregelt werden, aber es erleichtert das Zusammenleben und beugt Konflikten vor, wenn man es tut. (1)(2)

So könnte beispielsweise ein Putzplan aussehen:

Tätigkeit Aufteilung
Abwasch täglich, jeweils im Wechsel
Bad putzen wöchentlich, jeweils im Wechsel
Staubsaugen wöchentlich, jeweils im Wechsel
Boden wischen wöchentlich, jeweils im Wechsel
Fenster putzen vierteljährlich, gemeinsam

Die WG ist kein Gästehaus

Ein weiterer häufiger Streitpunkt in Wohngemeinschaften ist der Besuch. Wie oft ist Besuch erlaubt? Und wie lange darf dieser bleiben? Auch diese Fragen sollte man klären, bevor man in eine WG zieht. (1)

Ideal ist es natürlich, wenn die gesamte WG Besuch empfängt, denn so vermeidet man, dass sich einer der Bewohner durch den Besuch gestört fühlt. Was aber, wenn der Freund oder die Freundin eines Mitbewohners praktisch jede Nacht in der WG verbringt? Ein „zusätzlicher“ Mitbewohner birgt erhebliches Konfliktpotential, man sollte daher nicht einfach stillschweigend davon ausgehen, dass Besuch zu jeder Zeit und beliebig oft willkommen ist. (1)

Welche Regelungen man trifft, hängt natürlich von den einzelnen Mitbewohnern ab, man sollte dabei jedoch stets darauf achten, dass eine normale Nachtruhe möglich ist und dass die anderen Mitbewohner eine Rückzugsmöglichkeit haben – insbesondere, wenn man mit dem Besuch das gemeinschaftliche Wohnzimmer „belegt“. (1)

Folgende Fragen sollten im Voraus mit den Mitbewohnern abgeklärt werden:

  • Ist häufiger oder gar täglicher Besuch erwünscht oder erlaubt?
  • Darf Besuch in der WG übernachten? Falls ja, muss dies zuvor abgesprochen werden?
  • Müssen größere Besuchergruppen vorher angekündigt werden?
  • Bis zu welcher Uhrzeit darf Besuch ohne Absprache bleiben?

Worauf sollte man sonst noch achten?

Damit die WG zu dem wird, was der Namen vermuten lässt – eine Gemeinschaft nämlich – sollte man regelmäßig mit den anderen Mitbewohnern etwas unternehmen. Ob das ein gemeinschaftliches Kochen, eine WG-Party oder ein DVD-Abend ist, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Wichtig ist aber, dass man gemeinsam etwas unternimmt, denn das stärkt den Zusammenhalt, beugt Konflikten vor und erleichtert deren Lösung. Damit dieser Effekt auch wirklich eintritt, sollte ein solcher WG-Abend mindestens einmal im Monat stattfinden. (1)

Eine Wohngemeinschaft bedeutet aber nicht, dass es keine Privatsphäre gibt – ganz im Gegenteil. Um Konflikte zu vermeiden, muss die Privatsphäre der Mitbewohner unbedingt respektiert werden. Ist die Tür zum Zimmer des Mitbewohners zu, bedeutet das: „Ich will meine Ruhe“ – und daran sollte man sich halten. (1)

Rücksichtnahme ist in einer WG generell unerlässlich. Man sollte nicht immer versuchen, seinen Kopf durchzusetzen, denn dann werden sich die anderen Mitbewohner schnell unwohl fühlen, was wiederum zu Konflikten führt. Alle müssen bereit sein, Kompromisse einzugehen, denn anders kann das gemeinschaftliche Leben nicht funktionieren. (1)

Und was, wenn es doch mal zum Streit kommt?

Kein Plan und keine Regel können verhindern, dass es zu Streitereien kommt – Zusammenleben bedeutet auch immer Konflikte, das ist völlig normal. Wichtig ist, wie man mit diesen Konflikten umgeht. Kleinere Unstimmigkeiten kann man mit dem oder der Betreffenden direkt klären – und zwar möglichst schnell. Je länger nämlich ein Streit andauert, desto schwieriger ist es, ihn beizulegen. Bei größeren Konflikten sollte immer die gesamte WG einbezogen werden, selbst wenn nur zwei Mitbewohner am Streit beteiligt sind. Die anderen Bewohner können dann als neutrale Vermittler auftreten.

Ganz entscheidend ist es, dass man jederzeit ruhig und gelassen bleibt – hitzige Wortgefechte und zugeknallte Türen mögen zwar manchmal durchaus angemessen erscheinen, zur Konfliktlösung tragen sie aber nicht bei. Ist der Ärger allzu groß, sollte man ein Gespräch besser unterbrechen und später fortführen, sodass man zwischendurch etwas „Dampf ablassen“ kann. Danach lässt sich – mit etwas Verständnis für die Position des anderen – für die meisten Probleme eine Lösung finden.

Quellen:

  1. http://wg-ratgeber.de/tipps-fuer-2er-wg/
  2. http://www.noknok24.de/magazin/so-findest-du-die-richtige-wg/#.UzhZe4VqNUo