Führerschein mit 17

© mapoli-photo - fotolia.com

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Begleitetes Fahren – Führerschein mit 17

Selbstständigkeit, das bedeutet vor allem auch Mobilität. Einen besonders hohen Stellenwert nimmt dabei natürlich der Führerschein ein. Lange Zeit war er – abgesehen vom Führerschein für Mopeds – Volljährigen vorbehalten. Seit einigen Jahren gibt es aber mit dem begleiteten Fahren auch für Siebzehnjährige die Möglichkeit, den Führerschein zu erhalten. Was es dabei zu beachten gibt, darum geht es in diesem Text.

Grundsätzliches zum Führerschein mit 17

Das sogenannte „begleitete Fahren“ wurde erstmals 2004 in Niedersachsen in einem Modellversuch erprobt, 2005 übernahm der Bund diese Regelung in das Straßenverkehrsgesetz. Die Bundesländer führten im Anschluss zwischen 2006 und 2008 das begleitende Fahren ein, sodass es mittlerweile bundesweit möglich ist, bereits mit 17 Jahren Auto zu fahren. Das ursprünglich vom Bund bis 2010 begrenzte Gesetz ist inzwischen durch eine dauerhafte Regelung ersetzt worden, an der Gesetzeslage wird sich also auch in Zukunft nichts mehr ändern.

Häufig steht die verbesserte Mobilität im Vordergrund, wenn über das begleitete Fahren gesprochen wird, die eigentliche Zielsetzung des Gesetzgebers war aber eine andere – eine Reduzierung der Unfälle und Verkehrsverstöße bei jungen Fahrern, die aufgrund meist hoher Risikobereitschaft und mangelnder Erfahrung hier besonders gefährdet sind. Durch die Aufsicht und den Rat des Beifahrers sollen junge Leute dazu angehalten werden, verantwortungsvoll und mit Bedacht zu fahren. Dass das auch funktioniert, zeigte sich im niedersächsischen Modellversuch: Die Teilnehmer verursachten rund 30 Prozent weniger Unfälle und begingen gut 20 Prozent weniger Verkehrsverstöße als gleichaltrige Fahrer, die nicht am begleiteten Fahren teilgenommen hatten.

Wie funktioniert das begleitete Fahren?

Um mit 17 Auto fahren zu können, benötigt man eine sogenannte Prüfungsbescheinigung – diese ersetzt bis zur Volljährigkeit den Führerschein der Klasse B und gilt zugleich als Führerschein für die Klassen AM und L (Mopeds und Traktoren), den man bereits mit 16 Jahren erhalten kann.

Für die Prüfungsbescheinigung muss ganz normal eine theoretische und eine praktische Fahrprüfung bestanden werden – die theoretische Prüfung kann frühestens drei Monate vor dem siebzehnten Geburtstag abgelegt werden, die praktische einen Monat davor. In der Prüfungsbescheinigung werden dann eine oder mehrere Personen als Begleitpersonen eingetragen – meist sind es die Eltern oder ältere Geschwister. Das Fahren ist ausschließlich in Begleitung einer dieser Personen erlaubt – verstößt man gegen diese Regel, wird ein Bußgeld von 50 Euro fällig, zudem erhält man einen Punkt im Verkehrszentralregister in Flensburg und die Prüfungsbescheinigung wird wieder entzogen.

Zudem ist zu beachten, dass die Fahrerlaubnis ausschließlich in Deutschland gilt, nicht jedoch im Ausland. Lediglich in Österreich, wo es ein ähnliches Programm gibt, wird die Prüfungsbescheinigung als Fahrerlaubnis anerkannt.

Mit Vollendung des achtzehnten Lebensjahrs kann die Prüfungsbescheinigung bei der Straßenverkehrsbehörde gegen einen normalen Führerschein ausgetauscht werden, außerdem entfällt ab diesem Zeitpunkt die Notwendigkeit einer Begleitperson beim Fahren.

Was gibt es bei der Begleitperson zu beachten?

Eine Begleitperson muss mindestens 30 Jahre alt sein und seit mindestens fünf Jahren im Besitz des Führerscheins der Klasse B oder 3 sein. Darüber hinaus darf eine Begleitperson zum Zeitpunkt der Antragstellung für das begleitete Fahren nicht mehr als drei Punkte im Verkehrszentralregister haben. Die Anzahl der in der Prüfungsbescheinigung genannten Begleitpersonen ist nicht beschränkt.

Beim begleiteten Fahren selbst ist zu beachten, dass die Begleitperson nicht der Fahrzeugführer im Sinne der Straßenverkehrsordnung ist – sie darf also nicht in die Fahrzeugbedienung eingreifen, sondern soll den Fahrer lediglich beraten. Dementsprechend darf sie auch auf einem beliebigen Platz sitzen, sogar ein Blutalkoholspiegel von 0,5 Promille ist zulässig.

Der Besuch eines Vorbereitungskurses für das begleitete Fahren ist für die Begleitpersonen – anders als noch während des Modellversuchs in Niedersachsen – nicht erforderlich, allerdings wird dringend empfohlen, eine entsprechende Informationsveranstaltung zu besuchen, um sich mit den Pflichten einer Begleitperson vertraut zu machen.

Hier noch einmal das Wichtigste zur Begleitperson zusammengefasst:

  • mindestens 30 Jahre alt
  • seit mindestens fünf Jahren Führerschein der Klasse B oder 3
  • höchstens drei Punkte im Verkehrszentralregister
  • reine Begleitperson, die nicht in die Fahrzeugbedienung eingreifen darf
  • Blutalkoholspiegel von maximal 0,5 Promille zulässig

Modellversuch: Mopedführerschein ab 15

Seit Mai 2013 läuft in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt ein Modellversuch, in dessen Rahmen Jugendliche nach einer Fahrschulausbildung schon mit 15 Jahren den Führerschein der Klasse AM erwerben können. Mit diesem Führerschein dürfen die Jugendlichen Mopeds mit einer Höchstgeschwindigkeit von maximal 45 km/h fahren. Der Versuch ist zunächst auf fünf Jahre angelegt. Ob und wie diese Regelung in das Straßenverkehrsgesetz übernommen wird, ist derzeit noch offen und wird sicherlich maßgeblich vom Ergebnis des Versuchs abhängen.

Regelungen in anderen europäischen Ländern

In den meisten Ländern der EU gibt es keine Regelung für begleitetes Fahren oder den Führerscheinerwerb für die Klasse B vor dem achtzehnten Lebensjahr. Lediglich Österreich und Frankreich haben entsprechende Gesetze auf den Weg gebracht.

Hier die Regelungen im Überblick:

Deutschland Österreich Frankreich Restliche EU
Begleitetes Fahren: Führen eines Pkw in Begleitung ab 17 Jahren möglich Vorgezogene Lenkberechtigung: Führen eines Pkw ab 17 Jahren möglich, nach Praxisfahrten von insgesamt 3000 km auch alleine Conduite accompagnée: Führen eines Pkw in Begleitung ab 16 Jahren möglich Keine Regelung
Fahrerlaubnis gilt in Deutschland und Österreich Fahrerlaubnis gilt in Österreich, Deutschland, Großbritannien, Nordirland und Dänemark Fahrerlaubnis gilt in Frankreich