Führerschein Probezeit

© juniart - fotolia.com

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Führerschein Probezeit – Punkte in der Probezeit verhindern

Der Führerschein ist für viele junge Menschen das Symbol des Erwachsenwerdens schlechthin, bedeutet er doch Freiheit, Unabhängigkeit und Mobilität. Zahlreiche Studien haben allerdings auch gezeigt, dass mangelnde Erfahrung und eine erhöhte Risikobereitschaft bei jungen Fahrern besonders häufig zu Unfällen führen – daher hat der Gesetzgeber den sogenannten Führerschein auf Probe eingeführt. Was es dabei alles zu beachten gibt, darum geht es in diesem Text.

Was hat es mit der Probezeit auf sich?

Generell ist der Führerschein über einen längeren Zeitraum gültig – der neue EU-Führerschein kann 15 Jahre lang verwendet werden, der alte deutsche Führerschein ist sogar zeitlich unbegrenzt gültig. Wird der Führerschein aber zum ersten Mal erteilt, ist eine zweijährige Probephase vorgesehen. Diese Probezeit muss allerdings nur einmalig absolviert werden – wird also zunächst der Führerschein Klasse A1 erteilt und zwei Jahre später der Führerschein Klasse B, ist für Letzteren keine Probezeit mehr vorgesehen, sofern sich die Probephase nicht durch Verstöße verlängert hat. Eine Fahrerlaubnis der Klasse AM, L oder T wird nicht auf die Probezeit angerechnet. Der Führerschein ist selbstverständlich während der Probezeit uneingeschränkt gültig, es gelten aber besondere Bedingungen bezüglich der Vergehen im Straßenverkehr.

Generell wird bei Verkehrssünden zwischen A-Verstößen und B-Verstößen unterschieden. Bei Ersteren handelt es sich um schwere Vergehen, wie etwa Trunkenheit am Steuer, das Überfahren einer roten Ampel oder das Fahren mit stark überhöhter Geschwindigkeit. Letztere sind minderschwere Verstöße, beispielsweise das Fahren ohne gültige Prüfplakette oder das Telefonieren am Steuer. Hier die wichtigsten A- und B-Verstöße zusammengefasst:

A-Verstöße

  • Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit um mehr als 20 km/h
  • Missachtung eines Rotlichts
  • Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss
  • Überholen trotz Überholverbots
  • Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort (Fahrerflucht)
  • Nötigung (zum Beispiel zu dichtes Auffahren)
  • Vorfahrtsverletzung mit Gefährdung eines anderen Verkehrsteilnehmers

B-Verstöße

  • Fahren ohne gültige Betriebserlaubnis
  • Gefährdung oder Behinderung von Fußgängern oder Radfahrern beim Abbiegen oder an Bushaltestellen
  • Gefährdung anderer durch ungenügende Absicherung eines liegengebliebenen Fahrzeugs
  • Parken auf Autobahnen
  • Benutzung des Mobiltelefons während der Fahrt
  • Überschreitung des Termins zur Hauptuntersuchung oder Abgasuntersuchung um mehr als 8 Monate

Kommt es während der Probezeit zu einem A- oder zwei B-Verstößen, verlängert sich die Probezeit automatisch um zwei Jahre, außerdem muss der Fahrer an einem Aufbauseminar teilnehmen. Begeht der Fahrer danach einen weiteren A-Verstoß (oder zwei B-Verstöße), wird er verwarnt, zudem erhält er die Empfehlung, an einer verkehrspsychologischen Beratung teilzunehmen – tut er das, werden zwei Punkte im Flensburger Verkehrszentralregister gestrichen. Nach der Verwarnung gilt eine „Schonfrist“ von zwei Monaten. Sollte der Fahrer danach ein drittes Mal einen A-Verstoß begehen, wird ihm der Führerschein entzogen, zudem darf ihm frühestens nach drei Monaten eine neue Fahrerlaubnis erteilt werden.

Die meisten Verstöße lassen sich relativ einfach vermeiden, indem man defensiv und vorsichtig fährt – so, wie man es auch in der Fahrschule gelernt hat. Auf die Benutzung des Handys während der Fahrt und das Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss sollte man nicht nur aufgrund der drohenden Sanktionen verzichten, sondern auch, da man hier neben dem eigenen auch das Leben anderer gefährdet. Eine besonders häufige Ursache für A-Verstöße sind Geschwindigkeitsübertretungen – sowohl außer- wie auch innerorts. Wird man in der Probezeit geblitzt, kann hier, wie man anhand der folgenden Tabelle sieht, schnell aus einer kleinen Bußgeld-Angelegenheit ein A-Verstoß werden.

Geschwindigkeitsübertretung Bußgeld Punkte A-Verstoß?
1 bis 20 km/h, innerorts 15 bis 35 Euro keine nein
ab 21 km/h, innerorts 80 bis 680 Euro 1 bis 4 Punkte in Flensburg ja
1 bis 20 km/h, außerorts 10 bis 30 Euro keine nein
ab 21 km/h, außerorts 70 bis 600 Euro 1 bis 4 Punkte in Flensburg ja

Im schlimmsten Fall kann es also an einem Stundenkilometer hängen, ob sich die Probezeit verlängert oder nicht. Daher sollte man gerade in der Probezeit die Tachonadel immer genau im Auge behalten und nicht zu schnell fahren, um den Führerschein – und sich und die anderen Verkehrsteilnehmer – nicht unnötig in Gefahr zu bringen.

Verkürzung der Probezeit

Die am 16. Mai 2003 in Kraft getretene Fahranfängerfortbildungsverordnung sieht vor, dass die Probezeit beim Führerschein der Klasse B um ein Jahr verkürzt werden kann, wenn der Fahrer an einem Fortbildungsseminar teilnimmt. Diese Verordnung war jedoch bis Ende 2010 begrenzt und der Gesetzgeber hat keinen Ersatz geschaffen, sodass es mittlerweile nicht mehr möglich ist, die Probezeit zu verkürzen.

Änderungen durch die Führerscheinreform 2013

Durch die Führerscheinreform von 2013 haben sich einige Änderungen bezüglich der Klassen ergeben. So wurde beispielsweise für die Klasse B das Gesamtgewicht von Fahrzeug und Anhänger auf 3,5 Tonnen begrenzt, mit der Klasse BE können nun Anhänger mit einer Gesamtmasse von 3,5 Tonnen gezogen werden. Zudem wurde die Gültigkeit des Führerscheins auf 15 Jahre begrenzt. Für die Probezeit haben sich durch die Führerscheinreform von 2013 allerdings keine nennenswerten Änderungen ergeben.