Ausziehen mit 16 – der große Sprung in die Selbstständigkeit

© drubig-photo - fotolia.com

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Der Auszug aus dem Elternhaus ist für junge Menschen ein großer Schritt in Richtung Selbstständigkeit. Für manche kann dieser Schritt gar nicht früh genug kommen – sie wollen schon mit 16 alleine wohnen. Wer aber bereits mit 16 ausziehen möchte, der hat einiges zu beachten, denn als Minderjähriger kann man nicht einfach aus dem Elternhaus ausziehen. Welche Punkte zu klären sind und worum man sich kümmern muss, darum soll es in diesem Text gehen.

Ab welchem Alter darf man ausziehen? Und aus welchen Gründen?

Die Frage nach dem Alter ist schnell beantwortet: Rechtlich ist es so, dass man frühestens mit 16 Jahren von zu Hause ausziehen darf. Da man mit 16 noch minderjährig ist, haben die Eltern das sogenannte Aufenthaltsbestimmungsrecht, sie dürfen also festlegen, wo man wohnt. Daher ist für den Auszug das Einverständnis der Eltern notwendig – Gleiches gilt natürlich auch, wenn man mit 17 ausziehen will. Eine amtliche Erlaubnis, etwa vom Jugendamt, ist hingegen nicht notwendig.(1)(2)

Aus welchem Grund der Auszug stattfindet, ist vom rechtlichen Standpunkt her letztlich unerheblich. Solange das Einverständnis der Eltern vorliegt, kann man ausziehen. Natürlich sind die Gründe aber nicht völlig belanglos, denn in der Regel geht der Wunsch nicht von den Eltern aus – man muss den Eltern also „verkaufen“, dass der Auszug eine gute Idee ist. Daher sollte man sich vorab genau über die Bedingungen informieren und Gründe sammeln, die für einen Auszug sprechen. Will man beispielsweise wegen eines Ausbildungsplatzes in eine andere Stadt ziehen, könnte man die hohen Kosten und den Zeitaufwand für die Fahrten anführen. Kommt es dagegen ständig zum Streit mit den Eltern, könnte die Aussicht auf häusliche Ruhe ein Argument sein. In jedem Fall sollte man den Auszug frühzeitig ansprechen und in Ruhe mit den Eltern bereden – eine hitzige Diskussion drei Tage vor dem geplanten Auszug ist in den seltensten Fällen hilfreich. (1)(2)

Ist das familiäre Leben stark belastet, kann ein Familiengericht – nach vorheriger, eingehender Beratung durch das Jugendamt – dem Minderjährigen auch ohne Erlaubnis der Eltern gestatten, aus dem elterlichen Haushalt auszuziehen. Generell ist es natürlich besser, wenn man sich gütlich mit den Eltern einigen kann, sollte das aber nicht möglich sein, hilft das Jugendamt weiter. Das Amt wird allerdings nicht sofort einen Auszug anstreben, stattdessen wird versucht, die Situation in der Familie zu verbessern, sodass der Auszug überflüssig wird. Ist das nicht möglich, leitet das Amt den Fall an das Familiengericht weiter, das dann eine Entscheidung treffen wird. (1)(2)

Hier noch einmal die wichtigsten Punkte zusammengefasst:

  • Ein Auszug ist frühestens mit 16 möglich
  • Die Eltern müssen dem Auszug zustimmen
  • Falls die Eltern dem Auszug nicht zustimmen, kann das Jugendamt zurate gezogen werden
  • Für einen Auszug ohne Zustimmung der Eltern ist ein Beschluss des Familiengerichts notwendig

Was ist beim Auszug und bei der Wohnungssuche zu beachten?

Das Wichtigste gleich zuerst: Als Minderjähriger kann man keine Verträge ohne Zustimmung der Eltern abschließen, also auch keinen Mietvertrag. Die Wohnungssuche sollte daher zusammen mit den Eltern erfolgen, um möglichen Problemen vorzubeugen. Am besten einigt man sich mit den Eltern im Voraus auf die Rahmenbedingungen (Größe der Wohnung, Höhe der Miete, Lage und Ähnliches) und sucht dann gemeinsam nach einer passenden Wohnung. Da vielen Minderjährigen die Lebenserfahrung fehlt, alleine einen Haushalt zu führen, haben Kommunen und private Träger Wohnheime für „betreutes Wohnen“ eingerichtet. Hier leben die Minderjährigen meist in kleinen WGs mit drei oder vier Bewohnern und müssen sich um alle Belange des Haushalts kümmern. Es steht aber stets ein Betreuer bereit, der auf die Einhaltung der Regeln und die Erledigung der Pflichten achtet, bei Streitereien schlichtend eingreift und bei Problemen oder ungewohnten Erledigungen – etwa Behördengängen – den Jugendlichen beratend zur Seite steht. Für die meisten Minderjährigen ist das betreute Wohnen vermutlich die sinnvollste Variante, da sie mit einem eigenen Haushalt überfordert wären. (1)(2)

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Haftung. Dass die gern zitierte Aussage „Eltern haften für ihre Kinder“ nur sehr eingeschränkt gilt, wissen mittlerweile die Meisten. Bei einem Sechzehnjährigen mit eigener Wohnung ist allgemein davon auszugehen, dass er sich der Folgen seines Handelns bewusst ist, daher haften die Eltern nicht für etwaige Schäden in der Wohnung. Nur wenn nachgewiesen werden kann, dass der Jugendliche von seinem Entwicklungsstand her noch nicht bereit ist, alleine zu wohnen, könnten die Eltern haftbar gemacht werden – ein solcher Nachweis wäre allerdings recht schwierig zu erbringen.

Wer zahlt für die Wohnung?

Generell sind die Eltern bei Minderjährigen unterhaltspflichtig – das gilt auch, wenn die Kinder ausgezogen sind, unabhängig davon, ob sie bereits ein eigenes Einkommen haben oder nicht. Nur wenn die Eltern nicht in der Lage sind, für den Unterhalt des Kinds aufzukommen, springt der Staat ein – allerdings auch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Der Jugendliche muss sich in der Ausbildung befinden (hierzu zählt nicht die schulische Ausbildung), zudem muss die Ausbildungsstätte mindestens zwei Stunden vom Elternhaus entfernt liegen. Sind diese Bedingungen erfüllt, besteht ein Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe. Wie hoch diese ausfällt, hängt von der Ausbildungsvergütung, dem Einkommen der Eltern und einigen anderen Faktoren ab. (1)(2)

Hier ein Rechenbeispiel zur Berufsausbildungsbeihilfe: Michael wohnte bisher bei seinen Eltern in Trier. Nun hat er eine Ausbildung zum IT-Systemkaufmann in Magdeburg begonnen. Als Ausbildungsvergütung erhält er 450 Euro im Monat, seine Wohnung kostet monatlich 260 Euro Miete.(3)

Bedarf Betrag
Grundbedarf 348 Euro
Miete (maximal zulässiger Betrag) 149 Euro
Mietzuschlag (falls die Miete über 149 Euro liegt) 75 Euro
Fahrtkosten (Monatskarte für Magdeburg plus Kosten für 1. Heimfahrt) 193 Euro
Gesamt 765 Euro
Abzüge Betrag
Ausbildungsvergütung 450 Euro
Freibetrag wegen Unterbringung außerhalb des Elternhauses - 58 Euro
Einkommen der Eltern 2400 Euro
Freibetrag - 2172 Euro
Gesamt 620 Euro
Berufsausbildungsbeihilfe Betrag
Bedarf 765 Euro
Abzüge - 620 Euro
Förderung 145 Euro

Demnach stünde Michael Berufsausbildungsbeihilfe in Höhe von 145 Euro monatlich zu.

Sind die Eltern finanziell in der Lage, Unterhalt zu leisten, berechnet sich die Höhe des Unterhalts nach der sogenannten Düsseldorfer Tabelle. Einem Sechzehnjährigen steht nach dieser Tabelle ein monatlicher Unterhalt von 426 bis 682 Euro zu – je nach Nettoeinkommen der Eltern. Hiervon wird allerdings noch die Hälfte des Kindergelds (das dem Kind zusteht) sowie die Hälfte des eigenen Einkommens (falls vorhanden) abgezogen. (4)(5)

Es bleibt den Eltern überlassen, in welcher Form sie den Unterhalt leisten. In der Regel wird der Betrag einfach an das Kind ausgezahlt, zulässig ist aber auch eine materieller Unterstützung, beispielsweise in Form von Lebensmitteln.(1)

Bei einem Auszug mit 16 sind also einige Hürden zu nehmen – mit etwas Unterstützung ist es aber durchaus machbar.