Erste eigene Wohnung

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Freiheit und Unabhängigkeit auf der einen Seite, Angst vor Überforderung und Einsamkeit auf der anderen, der Auszug aus der elterlichen Wohnung ist meist mit gemischten Gefühlen verbunden. Dazu stellt sich noch die Frage der Finanzierbarkeit. Nichtsdestotrotz ist dieser Schritt ein Meilenstein in der persönlichen Entwicklung.

Aus dem gewohnten Zuhause ausziehen – der beste Zeitpunkt

Wann ein Auszug aus der elterlichen Wohnung angebracht ist, hängt von der persönlichen Situation ab. In vielen Fällen erübrigt sich diese Entscheidung, da der Beginn einer Ausbildung oder eines Studiums einen Umzug erfordert. Es ist auf keinen Fall empfehlenswert, die eigenen Ausbildungsmöglichkeiten einzuschränken, nur weil man sich vor dem alleine Wohnen scheut. Aber auch wenn diese Notwendigkeit nicht gegeben ist, kann eine eigene Wohnung sinnvoll sein. Viele junge Leute möchten aus dem elterlichen Zuhause ausziehen und alleine leben, weil sie selbstständiger und unabhängiger werden wollen. Mitunter ist in der Wohnung der Eltern aber auch zu wenig Platz oder es gibt oft Streit. Wenn sich junge Leute zutrauen, alleine zu wohnen, und wenn auch die finanzielle Seite geklärt ist, spricht nichts gegen die erste eigene Wohnung. Rechtlich betrachtet ist ein Auszug aus der elterlichen Wohnung bereits mit 16 Jahren möglich, wenn die Eltern zustimmen und den Mietvertrag unterschreiben.

Allein wohnen – ist das überhaupt bezahlbar?

Eine ganz wesentliche Frage bei der Entscheidung für oder gegen einen Auszug aus dem Elternhaus ist die Finanzierbarkeit. Auch wenn kein festes Einkommen vorhanden ist, wie bei Schülern und Studenten, gibt es eine ganze Reihe an Finanzierungsmöglichkeiten:

Finanzierungsquelle Personengruppe Bemerkungen Ansprechpartner
Lohn/Gehalt Arbeitnehmer aus Haupt- oder Nebenjob
Ausbildungsvergütung Auszubildende in einer dualen Berufsausbildung vom Ausbildungsbetrieb
Berufsausbildungs-beihilfe (BAB) Auszubildende in einer betrieblichen oder außerbetrieblichen Erstausbildung abhängig vom eigenen Einkommen und vom Einkommen der Eltern Agentur für Arbeit
Schüler-BAföG Schüler allgemeinbildender oder berufsbildender Schulen, die nicht bei ihren Eltern wohnen, bei Mindestentfernung der Schule vom Elternhaus abhängig vom Einkommen der Eltern; muss nicht zurückgezahlt werden Amt für Ausbildungsförderung der Stadt- oder Kreisverwaltung
Studenten-BAföG Studierende an Hochschulen und Universitäten meist abhängig vom Einkommen der Eltern; zur Hälfte Zuschuss und zur Hälfte zinsfreies Darlehen Amt für Ausbildungsförderung beim Studentenwerk der Hochschule
Stipendium ausgewählte Studierende von verschiedenen Stiftungen und Organisationen nach einer erfolgreichen Bewerbung
Unterhalt der Eltern Auszubildende, Schüler und Studierende bis zum Ende der Erstausbildung nur wenn das Einkommen der Eltern über den Freibeträgen liegt; Anrechnung des Unterhalts bei allen staatlichen Unterstützungen, außer beim Wohngeld
Kindergeld jeder bis zu einem Alter von 18 Jahren; Personen in Ausbildung bis zu einem Alter von 25 Jahren Zahlung an die Eltern Familienkasse der Agentur für Arbeit
Wohngeld Personen ohne Anspruch auf BAföG oder BAB abhängig von der Miete und vom Einkommen Wohngeldstelle der Gemeinde-, Stadt- oder Kreisverwaltung
Arbeitslosengeld I arbeitslos gemeldete Personen, die innerhalb der letzten beiden Jahre mindestens ein Jahr lang versicherungspflichtig beschäftigt waren, ohne Anspruch auf BAföG oder BAB maximale Bezugsdauer bei jungen Leuten zwischen sechs und zwölf Monaten, abhängig von der Dauer des Arbeitsverhältnisses Agentur für Arbeit
Arbeitslosengeld II erwerbsfähige Personen ohne Einkommen oder mit einem Einkommen, das die Grundsicherung nicht gewährleistet, ohne Anspruch auf BAföG oder BAB Unterstützung für eine eigene Wohnung im Normalfall nur für Personen, die älter als 25 Jahre sind Jobcenter
Bildungskredit Schüler und Studierende in einer fortgeschrittenen Phase der Ausbildung vom Bund; für maximal 24 Monate; kein Rechtsanspruch Bundesverwaltungsamt
weitere Kreditmöglichkeiten in den meisten Fällen für Studierende Beratung durch Banken oder das Studentenwerk

Um die finanzielle Situation richtig einzuschätzen, ist eine Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben sinnvoll. Zur Finanzierung des Umzugs und der ersten Einrichtung dienen meist Rücklagen. Sparen lässt sich mit gebrauchten Möbeln und Einrichtungsgegenständen, die man vielleicht von Verwandten oder Freunden geschenkt bekommt.

Checkliste für einmalige Ausgaben beim Bezug der eigenen Wohnung:

  • gegebenenfalls Mietkaution,
  • eventuell Renovierung,
  • Kosten für den Umzug,
  • Möbel,
  • Wohntextilien,
  • Elektro-Großgeräte wie Herd, Waschmaschine und Kühlschrank,
  • kleinere Geräte wie Staubsauger, Bügeleisen, Toaster,
  • Geschirr, Besteck, Kochgeschirr,
  • sonstige Haushaltsausstattung wie Wäscheständer, Reinigungsutensilien, Werkzeug.

Neben diesen Anfangsausgaben entstehen aber auch laufende Kosten, die durch die regelmäßigen Einnahmen abgedeckt sein müssen. Zusätzlich sollte auch Geld für Rücklagen übrig bleiben, zum Beispiel für den Urlaub oder notwendige Neuanschaffungen.

Checkliste für laufende Kosten bei eigener Haushaltsführung:

  • Miete inklusive der Nebenkosten (Wasser, Heizung, Müllentsorgung, Antennenanlage, Hausmeisterdienste),
  • Strom,
  • Hausrat- und Haftpflichtversicherung,
  • Telefon und Internet,
  • GEZ-Gebühren (Empfänger von BAföG, BAB oder Arbeitslosengeld II können eine
  • Befreiung beantragen.) ,
  • Lebensmittel und Haushaltsbedarf,
  • Kleidung,
  • Schul- oder Studienmaterial,
  • Ausgaben für Freizeit oder anderen persönlichen Bedarf,
  • gegebenenfalls Kfz-Kosten.

Die erste Wohnung – was sonst noch wichtig ist

Nach welchen Kriterien soll ich meine erste Wohnung auswählen und was ist beim Umzug zu beachten? Die Wohnung für das Singleleben darf aus Kostengründen nicht zu groß sein, muss aber ausreichend Platz zum Leben und Stauraum für persönliche Dinge bieten. Schüler, Auszubildende und Studierende brauchen auch einen Schreibtisch. Wichtig sind daneben das Umfeld, die Entfernung zur Ausbildungs- oder Arbeitsstätte und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe. Noch vor dem Bezug der neuen Wohnung sollte man sich um den Stromanbieter sowie den Telefon- und Internetanschluss kümmern. Nach dem Umzug muss innerhalb einer Woche die Ummeldung beim Einwohnermeldeamt erfolgen. Alle Bekannten, der Arbeitgeber, die Schule, Institutionen und Vereine müssen die neue Adresse kennen. Was Versicherungen angeht, so sind eine Hausrat- und eine Haftpflichtversicherung empfehlenswert. Unter bestimmten Bedingungen ist es jedoch möglich, dass die Kinder auch in der eigenen Wohnung noch über die Versicherungen der Eltern geschützt sind.

Alleine leben – traue ich mir das zu?

Alleine wohnen, das bedeutet den Alltag selbst organisieren, kein Streit mit den Eltern über Kleinigkeiten und beliebig oft Besuch empfangen. So groß die Freude über den Umzug und die neue Freiheit auch ist, oft mischt sich die Sorge darunter, alleine nicht klarzukommen. Die Arbeitsbelastung ist in einer eigenen Wohnung deutlich höher, da man sich um den Haushalt und alle Besorgungen selbst kümmern muss. Aber das ist wie so vieles auch eine Frage der Routine und ein ganz wichtiger Schritt in Richtung Selbstständigkeit.

© Piotr Marcinski - Fotolia.com

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Die Angst vor der Einsamkeit ist die zweite große Hürde, besonders wenn man in eine andere Stadt zieht und alleine wohnen muss. Aber es gibt ja auch am neuen Wohnort die Möglichkeit, neue Bekanntschaften zu schließen, mit Nachbarn, Kommilitonen, Kollegen oder über Vereine. Wichtig ist auch die Kontaktpflege zu den Eltern und zu alten Freunden. Eine gut durchdachte und kreative Gestaltung der Wohnung trägt zum Wohlbefinden bei. Sind genug Platz und Übernachtungsmöglichkeiten für Besucher vorhanden, kommen nicht so schnell Einsamkeitsgefühle auf. Die Eltern, Freunde oder Nachbarn sind auch die erste Anlaufstelle, wenn das Singleleben   Schwierigkeiten mit sich bringt, denn sie haben selbst Erfahrung und geben gern für die erste Wohnung Tipps. Treten psychische Probleme auf, können sich Studierende an die Beratungsstellen der Studentenwerke wenden. Schülern und Auszubildenden stehen in ihren Schulen ebenfalls entsprechende Anlaufstellen zur Verfügung.