Studentenwohnheim – Der Klassiker bei Studenten

© contrastwerkstatt - fotolia.com

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Ist die Schule endlich geschafft, steht mit Beginn der Ausbildung oder des Studiums oft der Umzug in eine andere Stadt an. Da das Budget während der Ausbildung meist sehr begrenzt ist, kommt nur selten eine eigene Wohnung infrage. Daher entscheiden sich viele für eine Wohngemeinschaft, doch es gibt noch eine weitere Alternative: das Wohnheim. Was es alles beim Leben im Wohnheim und der vorherigen Suche nach der passenden Unterkunft zu beachten gibt, das erklärt dieser Text.

Ein Wohnheim – was ist das überhaupt?

Mit dem Begriff „WG“ können die meisten Leute etwas anfangen, wenn sie aber „Wohnheim“ hören, denken viele an betreutes Wohnen oder den sozialen Wohnungsbau – damit liegen sie aber vollkommen falsch. Ein Wohnheim ist eine kostengünstige Unterkunft für einen bestimmten Personenkreis. Es wird in der Regel von einem gemeinnützigen Verein betrieben, es gibt aber auch kirchliche, private und selbstverwaltete Wohnheime. Die häufigste Variante des Wohnheims ist das Studentenwohnheim, das normalerweise vom Studentenwerk der jeweiligen Stadt betrieben wird. Es gibt aber auch andere Arten von Wohnheimen, beispielsweise solche für Schüler.

Wie bekomme ich einen Platz im Wohnheim?

Um einen Platz in einem Wohnheim zu erhalten, muss man sich beim zuständigen Träger darum bewerben. Bei Studentenwohnheimen ist das Studentenwerk die Anlaufstelle – dort kann man entweder persönlich oder online einen Platz im Wohnheim beantragen. Wichtig ist, dass man eine gültige Immatrikulationsbescheinigung vorweisen kann, da man sonst keinen Platz erhält – weitere Voraussetzungen muss man in der Regel nicht erfüllen. Schüler und Auszubildende können dementsprechend nicht in ein Studentenwohnheim ziehen – für sie gibt es jedoch in einigen Städten eigene Wohnheime. Um dort einen Platz zu erhalten, ist meist ein Ausbildungsvertrag oder eine Schulbescheinigung erforderlich.

Beim studentischen Wohnen ist zu beachten, dass es gerade in Großstädten deutlich weniger Plätze in den Studentenwohnheimen als Bewerber gibt. Daher muss man mit einer Wartezeit rechnen, bis man einen Platz zugeteilt bekommt. In München liegt die Wartezeit beispielsweise bei ein bis vier Semestern. In kleineren Universitätsstädten ist dieses Problem nicht ganz so ausgeprägt, aber auch dort kann es zu Verzögerungen kommen.

Da die Plätze im Wohnheim normalerweise in der Reihenfolge der eingehenden Bewerbungen verteilt werden, sollte man sich so früh wie möglich um einen Platz bewerben. Dabei sollte man natürlich nicht vergessen, dass eine gültige Immatrikulationsbescheinigung erforderlich ist, um einen Platz in einem Studentenwohnheim zu bekommen. Es bringt also nichts, sich noch während der Schulzeit dort um einen Platz zu bewerben.

Studentenwohnheim

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In welchem Wohnheim man letztlich landet, darauf hat man nicht immer Einfluss. Einige Studentenwerke erlauben es, dass man sich für ein bestimmtes Wohnheim und eine Wohnungsart bewirbt, andere lassen nur Bewerbungen für einen Wohnungstyp zu und weisen dem Studenten dann eine entsprechende Wohnung in einem der Wohnheime zu. Die zweite Variante ist allerdings selten, sodass man sich in der Regel aussuchen kann, in welches Wohnheim man kommt.

Hier noch einmal das Wichtigste zusammengefasst:

  • Um einen Platz im Wohnheim zu erhalten, ist meist eine Bescheinigung, etwa eine Immatrikulationsbescheinigung, notwendig
  • Gerade in großen Städten ist mit Wartezeit zu rechnen
  • Plätze werden in Reihenfolge der eingehenden Bewerbungen vergeben, daher sollte man sich frühzeitig bewerben
  • Die Wahl des Studentenwohnheims ist nicht in allen Städten möglich

Was für eine Wohnung erwartet mich im Wohnheim?

Die meisten Wohnheime verfügen über verschiedene Wohnungsarten, angefangen vom Doppelzimmer, bei dem man sich nicht nur Bad und Kochzeile, sondern auch das Zimmer selbst mit einem Mitbewohner teilen muss, bis hin zu Apartments, die über eine eigene Küche und ein eigenes Bad verfügen. In der Regel lebt man in einem Wohnheim aber ähnlich wie in einer WG – man hat ein eigenes Zimmer und teilt sich Bad und Küche mit einem oder zwei Mitbewohnern. Im Gegensatz zu WGs sind die Zimmer hier aber immer gleich groß – meist zwischen zwölf und zwanzig Quadratmeter – und oft auch möbliert oder zumindest teilmöbliert. Es stehen also einige grundlegende Möbel wie Bett oder Kleiderschrank zur Verfügung, was den Umzug natürlich sehr erleichtert. Ebenfalls zum Standard gehören ein DSL- und ein Kabelfernseh-Anschluss, zudem gibt es in den meisten Wohnheimen Waschmaschinen und Trockner oder Trockenräume, die gemeinschaftlich genutzt werden können.  und

Hier ein exemplarischer Überblick über die möglichen Wohnungen im Wohnheim:

Wohnungsart Situation
Doppelzimmer Zimmer mit einem Mitbewohner, Bad und Küche werden gemeinschaftlich genutzt
Einzelzimmer Eigenes Zimmer, Bad und Küche werden gemeinschaftlich genutzt
Apartment Eigenes Zimmer, eigenes Bad, eigene Küche

Das Leben im Wohnheim

Insgesamt unterscheidet sich das Leben im Wohnheim nicht allzu sehr von dem in einer WG – meist teilt man sich Küche und Bad und lebt auf engem Raum mit jemandem zusammen. Da bleibt es nicht aus, dass man sich näher kennenlernt und es entstehen schnell Freundschaften – hier oft sogar noch schneller als in einer WG, denn gerade zu Beginn des Semesters werden in Wohnheimen häufig Partys oder andere Veranstaltungen für alle Mitbewohner organisiert. Die „normalen“ Vorteile einer WG hat man natürlich ebenfalls – viel sozialer Kontakt, der gerade bei einem Umzug in eine fremde Stadt sehr willkommen ist, sowie eine günstige Unterkunft. Zieht man direkt aus dem Elternhaus in ein Wohnheim, kann man darüber hinaus viel Geld sparen, denn größere Anschaffungen wie Kücheneinrichtung oder Waschmaschine sind aufgrund der vorhandenen Möbel und Geräte nicht notwendig.

Von der Vorstellung, dass alle Studentenwohnheime auf dem Campus liegen, sollte man sich aber schnell verabschieden. Zwar gibt es in fast allen Universitätsstädten auch Wohnheime direkt auf dem Campus, gerade in Großstädte fehlt aber häufig der Platz, sodass die Wohnheime ausgelagert werden müssen und teils sehr weit vom Campus entfernt liegen. Immerhin wird bei der Planung meist darauf geachtet, dass die Universität von den Wohnheimen aus gut mithilfe der öffentlichen Verkehrsmittel zu erreichen ist. Auch die Wohnheime für Schüler und Auszubildende sind in der Regel so gelegen, dass der Weg zu den Schulen beziehungsweise der Berufsschule nicht allzu beschwerlich ist.

Auf eines sollte man sich aber beim Leben im Wohnheim gefasst machen: auf feste Regeln. Denn hier gelten nicht nur die Vereinbarungen, die zwischen den Mitbewohnern getroffen werden, sondern auch die Vorschriften des Trägers. So gibt es in fast allen Wohnheimen feste Ruhezeiten, an die man sich auch halten sollte, wenn man Ärger vermeiden möchte. Zudem dürfen die Wasch- und Trockenräume häufig nur zu bestimmten Zeiten genutzt werden, Partys und sonstige Veranstaltungen, durch die sich andere Bewohner gestört fühlen könnten, sind oft nur nach Genehmigung möglich. (2)

Das Rechtliche

Ein weiterer Nachteil an Wohnheimen sind die Rechte, die einem als Mieter zustehen. Da hier grundsätzlich davon ausgegangen wird, dass die Wohnung nur zum „vorübergehenden Gebrauch“ überlassen wird, kann der Vermieter das Mietverhältnis ohne Angabe von Gründen mit einer Frist von drei Monaten kündigen. Lediglich bei einem Härtefall, beispielsweise einer Kündigung in der Examensphase, kann man Widerspruch einlegen. Zudem kann der Mietvertrag ohne Begründung befristet werden – hier ist dann allerdings keine ordentliche Kündigung möglich. Auch eine Mieterhöhung ist deutlich einfacher durchzusetzen als bei einem normalen Mietverhältnis – sogar eine Kündigung zum Zweck der Mieterhöhung ist zulässig. Darüber hinaus muss der Vermieter die hinterlegte Mietkaution nicht verzinsen.

Trotz dieser Nachteile ist ein Wohnheim für junge Menschen aber eine kostengünstige Alternative zur eigenen Wohnung und eine gute Möglichkeit, in einer fremden Stadt Anschluss zu finden. (4)